Studiengebühren – Vor- und Nachteile

26. Januar 2012

Studienfinanzierung

Jedes Land hat seine eigenen Gepflogenheiten, ob es Studiengebühren erhebt oder nicht und in welcher Höhe. Auch in Deutschland ist es noch den Bundesländern freigestellt, dies zu tun oder nicht – allerdings verstößt man auf diese Weise offen gegen den Gleichheitsgrundsatz gemäß Art. 3 GG. Aus den bisherigen Erfahrungen mit Studiengebühren ergibt sich jedoch eine klare Sichtweise auf das Thema. Fordern Staaten oder Bundesländer nämlich zu viel, bleiben talentierte Menschen auf der Strecke (bzw. entziehen sich einer marktwirtschaftlich optimalen Kompetenzbildung) oder verlassen das Land.

Studiengebühren fördern marktwirktschaftliche Ungleichheit und vernachlässigen die Förderung von persönlichen Fähigkeiten

Die Gesellschaft des 21. Jahrhundert ist generell marktwirtschaftlich orientiert. Warum, so fragten sich vor einigen Jahren nun auch Universitäten bzw. Länderregierungen in Deutschland, sollte man nun nicht dem Beispiel in englischsprachigen Ländern folgen und Studenten für ihren Bedarf an Bildung zur Kasse bitten? Studiengebühren, die einen geringfügigen und in Deutschland überall üblichen Semesterbeitrag wesentlich überschreiten, lassen es nur zu, dass Kinder aus einkommensstarken und gleichzeitig nicht kinderreichen Familien studieren können. Dies ignoriert eventuelle fachliche Begabungen und verhindert es, dass Menschen sich für einen Arbeitsplatz ausbilden lassen können, der ihren Fähigkeiten entspricht. Auch Darlehen (BaföG oder Bankkredite), die in einkommensschwachen Familien dazu eingesetzt werden, Studien aufnehmen zu können, erzeugen die Problemstellung, dass der Studierende nach seinem Abschluss insbesondere wegen der Darlehenszinsen damit konfrontiert wird, aus seinen Gehaltszahlungen in den ersten Jahren die Kreditraten bestreiten zu müssen. Die in den betreffenden Bundesländern plötzlich eingeführten Studiengebühren brachten es in direkter Folge somit mit sich, dass auch Abiturienten, die andernfalls studiert hätten, diesen Plan aufgaben. Konsequenterweise entschied sich also auch hier nach dem Vermögen der Eltern und nicht nach der Eignung des Abiturienten der Besuch einer Universität.

Entweder Studiengebühren zahlen oder auswandern – nur eine der Überlegungen

Studierende, die nur gegen Zahlung eines geringen oder symbolischen Semesterbeitrages ein Studium durchführen können, nehmen dankend zur Kenntnis, dass sie aufgrund des öffentlichen Rechts auf Bildung ihre Veranstaltungen besuchen und ihre Abschlüsse erreichen. Das Bundesland (oder z. B. in Österreich oder Skandinavien der Staat) stellt ihnen nach übergeordneten Kriterien Lehrmittel und Lehrkörper auf hohem fachlichen Niveau zur Verfügung – und dies vermögensunabhängig. Unter dem Druck von Studiengebühren jedoch wählt ein potentieller Student das preisgünstigere Fach oder die billigere Universität – und sucht nicht nach Kriterien aus, die mit seinen Fähigkeiten oder mit der Qualität der Lehre in Verbindung stehen. Oder er stellt sein Potential bereits von Anfang an einer Region ohne Studiengebühren zur Verfügung, d. h. er wandert aus und geht seinem Heimatland als kompetente Arbeitskraft langfristig verloren.

Foto: Kaarsten – Fotolia.com

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