Führt das Erasmus-Konzept zu einem finanziellen Kollaps?

30. Oktober 2012

Studienfinanzierung

Führt das Erasmus-Konzept zu einem finanziellen Kollaps?Das Erasmus-Projekt fördert die Mobilität von Studierenden, indem diese Zuschüsse für ein Studium im europäischen Ausland erhalten. Zusätzliche Programme an den einzelnen Universitäten fördern die Verbundenheit der dort studierenden Erasmus-Teilnehmer. Neben der Finanzierung der Studienaufenthalte ist die Anerkennung von Studienleistungen ein Bestandteil der Zusammenarbeit im Rahmen des Erasmus-Programmes.

Die Finanzierung und Anspruchsvoraussetzungen für das Erasmus-Programm

Die Erasmus-Mittel werden jährlich in gleichbleibender Höhe von 450 Millionen Euro in den Haushalt der EU eingestellt. Zu den Teilnehmerstaaten gehören alle Mitgliedsländer von EU und EWR sowie Kroatien und die Türkei. Förderfähig sind nicht nur Studierende, sondern auch Lehrende aller Ebenen und das Verwaltungspersonal der Hochschulen. Studenten können über das Erasmus-Förderprogramm eine Unterstützung für Studienaufenthalte ebenso wie für Auslandspraktika beantragen.

Droht dem Programm der finanzielle Kollaps?

Da die Höhe der für das Erasmus-Programm zur Verfügung stehenden Mittel feststeht, kann das Programm als solches durch die Mittelbeantragung durch immer mehr Studierende nicht kollabieren. Die Höhe der Unterstützung richtet sich jedoch nach der Anzahl der Antragsteller. Da diese regelmäßig gestiegen ist, sinkt die Höhe der Unterstützung jedes einzelnen Studenten spürbar. Die als Mobilitätszuschuss bezeichnete Auszahlung an am Erasmus-Programm teilnehmende Studenten belief sich vormals auf 200 Euro. Diese Summe ist sinnvoll, da sie die finanzielle Mehrbelastung durch einen Auslandsaufenthalt ausreichend abdeckt. Für das Wintersemester 2012/2013 und für das Sommersemester 2013 erhalten Studierende jedoch nur noch eine Förderung in Höhe von 110 Euro. Auch wenn diese in begründeten Einzelfällen, am häufigsten für behinderte Studierende, aufgestockt werden kann, führt die Verringerung der Erasmus-Leistungen in vielen Fällen zu einem Kollaps hinsichtlich der studentischen Finanzplanung. Die wünschenswerte Gegenmaßnahme zu einer Verringerung der Unterstützung der teilnehmenden Studenten besteht in der Erhöhung des zur Verfügung gestellten Betrages. Diese Lösung erscheint angesichts der leeren Kassen der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsländer jedoch als wenig wahrscheinlich. Eine Verschärfung der Zulassungsbedingungen zum Erasmus-Programm wie die Begrenzung der Förderung auf Studierende mit sehr guten Studienleistungen würde auf Ablehnung durch studentische Organisationen stoßen und wäre auch mit dem Grundgedanken des Erasmus-Programmes als Austauschprogramm und nicht als weitere Eliteförderung kaum vereinbar.

Somit müssen die künftigen studentischen Teilnehmer am Erasmus-Programm mit geringeren Zuschüssen leben. Falls die gesunkenen Mobilitätszuschüsse zu einer Verringerung der Teilnehmerzahlen am Erasmus-Programm führen, was durchaus zu erwarten ist, steigen die Zuschüsse für den einzelnen Studenten künftig wieder an. Bis dahin werden Studierende einen Teil der fehlenden Finanzierung durch Arbeit, Erspartes oder durch die Aufnahme von Studienkrediten ausgleichen; für einen Auslandsaufenthalt lässt sich auch eine Unterstützung bei Verwandten einwerben.

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